Die Rede zum Tag


Es ist das erste Mal, dass ich eine Rede gehalten habe. Tatsächlich. Und gestern Nacht erst geschrieben, wurde sie heute früh im Hörsaal 42 der Universität Wien dann auch schon Wirklichkeit. Ganz ehrlich, ich war ziemlich nervös. Und auch wenn mein Gesicht eher kühl geblieben ist, mein Körper hat mich verraten und mein Blick ebenso. Er war etwas zuviel auf den Zettel gerichtet und noch dazu einfach sinnloserweise nachdem ich den Text ohnehin auswendig konnte, aber es ist okay. Ich lerne noch.

Transkript:

Schau dir erst das Video an! Eine Rede mit oder sogar davor schon zu lesen, zerstört sie.

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Ein sehr intelligenter Mann hat mal gesagt, dass die Welt ein Buch ist. Und jemand der nicht offen für anderes ist, jemand der nur an einem Ort bleibt und nicht verreist, der wird in seinem Leben von diesem Buch, das wortwörtlich schönste der Welt, nur eine einzige Seite lesen. Und das wäre doch traurig, oder nicht?

Aber ja natürlich. Diese Seite die für uns hier aufgeschlagen wurde, ist eigentlich wirklich nicht so schlecht.  Österreich ist wenn man nicht allzutief gräbt, schon ganz okay. Ich mein, wir sind ein unschuldiges Land, nicht nur unsere Politiker sondern im großem und Ganzen,  in unserem Alltag. Wir haben keinen Krieg und auch wenn manche Leute hart daran arbeiten, auch die Armut ist noch nicht so verbreitet wie an vielen anderen Orten. Wir verhungern nicht Und wir brauchen auch keine Angst davor zu haben. Aber bevor du jetzt die Augen zuschlägst, ich bin nicht hier um über Österreich zu reden und nein, ich will auch nicht über Unschuld und Unschuldsvermutung reden. Wie der Hase läuft, das wissen wir hier ohnehin alle.

Der Punkt ist, es geht mir hier eben nicht um Österreich. Es geht mir um etwas ganz anderes, geographisch anderes, kulturell anderes und menschlich anderes. Also was will von euch? Ich will konkret eines: Ich will, dass ihr aus eurem Nest hinaus lauft. Ich will dass ihr Wien verlasst und einfach mal wegfährt und zwar weit wegfährt. Ich will dass ihr das alleine tut, und ich will dass ihr das bald tut.

Ihr fragt also, was will ich damit FÜR euch? Nun, FÜR euch und das dürft ihr mir glauben, will ich nur das Beste. Also warum benutze ich dann meine Zeit dafür euch WEG haben zu wollen? Warum will ich dass ihr jetzt endlich mal eure sieben Sachen packt und endlich alle verschwindet?

Oder, um es etwas weniger zweideutig auszudrücken, warum will ich von euch dass ihr auf Reisen geht? Warum will ich dass ihr fremde Kulturen kennenlernt und andere Sitten lebt als ihr es hier tut?

Nun, ihr werdet es wahrscheinlich schon gemerkt haben, aber ich spreche hier aus Erfahrung und ich bin jetzt hier weil ich sie mit euch teilen will. In anderen Worten, Ich bin hier weil ich etwas weiß. Ich weiß, dass diese Erfahrung seinen Rucksack zu nehmen und einfach  mal für einige Zeit seine Welt gegen eine andere zu tauschen, diese Erfahrung mit sich selbst allein in der Fremde zu sein, in jedem einzelnem von euch etwas bewirken kann. Und zwar etwas Gutes.

Macht euch aber keine Illusionen, leicht ist dieser Prozess nicht und fürchten, ja, dass werdet ihr euch! Aber trotzdem, keine Sorge. Diese Furcht ist nämlich das woran ihr wachsen werdet. Diese Furcht ist das wovon ihr euch emanzipieren und lösen werdet. Diese Furcht, und das verspreche ich weil ich mir genau so erging, wird bald verschwunden sein.

Meine Schlussworte sind, und ich will dass ihr jetzt noch ein letztes Mal zuhört. Meine Schlussworte sind, dass die Welt ein sehr schöner Ort ist. Und meine lieben Kollegen, ich will dass ihr mutig seid und diese Welt auch erforscht. Ich sage euch nämlich, Ihr werdet es nicht bereuen.

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Du willst mich verreissen, etwas zu meiner Stimme im modulationsarmen Bassbariton sagen oder mich einfach nur mit Insiderwitzen verwirren? Du willst mit mir reden, mich freuen oder mich schlicht verwünschen?

Easy, machs in den Kommentaren!

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2 Kommentare
  1. Julie Lecorné sagte:

    Erfrischend und natürlich! Gut gemeistert =)

  2. mickzwo sagte:

    … und man sollte – nach Möglichkeit – auch davon erzählen, so wie Du es tust.
    Danke dafür.

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