Quba und Xinalig. Pt.1


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Das ist Talyr. Er hat mich freundlicherweise auf der Strasse gefragt, ob ich mit ihm und seinen Bruder Tee trinken will. Auf Deutsch wohlgemerkt. Man merkt ihm an, dass er zwoelf Jahre in Europa verbracht hat und davon einen Grossteil in Deutschland. „guck mal“ und er ist nicht der einzige in seiner Familie gewesen. Wie hoch ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, dass ich von einer Familie in Aserbaidschan eingeladen werde, in der fast alle maennlichen Mitglieder fliessend in „nemetzki“ sind? Wohl eher klein, aber ich habs geschafft. Auch wenn es eine etwas traurige Angelegenheit gewesen ist, da irgendwann von jedem die Bitte gekommen ist, ihm bei Visaangelegenkeiten behilflich zu sein. Es ist kein schoenes Gefuehl jemanden sagen zu muessen,dass man nichts tun kann und es aufgrund diverser politischer Kraefte und der Finanzkrise in Zukunft eher noch schwieriger als leichter werden wird.
Am naechsten Tag wurde ich dann von ihm zur Bushaltestelle gebracht, auch wenn das vielleicht nicht das richtige Wort ist. Kann man sich nicht so vorstellen wie ein 10A  STop in Wien, sondern eher wie ein riesiges Areal in der Jeeps und sogenannte Marshrutkas (Minibusse) etwas chaotisch ihren Anfang nehmen und als nicht azeri sprechender Tourist waere ich verloren gewesen, weswegen er meinen Dank hat. Abgesehen von der Unterkunft und den Massen an Tee und tuerkischem Essen.
Nachdem ich den Jeepfahrer dann noch von 50 Manat auf 20 runtergehandelt hatte, nahm die zweistuendige Fahrt rauf in die Berge ihren Anfang.
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Kaukasus. Das Ziel hiess Xinalig, ein auf 2200m Hoehe gelegenes Dorf und angeblich einer der huebschsten Orte in Aserbaidschan. Stimmt wahrscheinlich, von der Landschaft zumindestens. Als ich dort ankam, hatte ich dafuer dann erstmal mit ganz anderen Problemen zu kaempfen, sie hatten die Gestalt des Fahrers. Obwohl Talyr meinte, dass es kein Problem ist,wenn ich einen Tag spaeter wieder fahre, wollte mir dieser Mann ploetzlich klarmachen, dass wir in einer Stunde wieder zurück müssen. „Njet“. Aber ganz gewiss nicht.. Mit meinem bescheidenen Russisch versuchte ich ihm dann klar zu machen, dass das urspruenglich anders gelautet hat, waehrend er darauf beharrte. „njet“,“njet“ und dieser gierige Mensch fing beinahe zu weinen an. Zum Glueck traf ich dann aber auf drei Polen, die besser Russisch und auch sehr gut Englisch sprachen. Nun gut, auch davon liess er sich nicht beirren und irgendwann gab ich es dann auf, nachdem er schon beinahe damit drohte mich umzubringen (wtf?). Ich hab ihm dann zehn Manat vor die Fuesse geworfen, auch auf Rat dieser Polen und hatte meine erste schlechte Erfahrung gemacht. Positiv gesehen, lernte ich dadurch aber eben jene Krakauer kennen und wir waren fuer die naechsten zwei Tage eine Gruppe. Allein trekken waere nicht schoen gewesen, weswegen das doch recht gut war.
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Friedhof Etwas exotischere Kuhweide mit Blick auf die Landschaft.
Sie hatten etwas ueber eine Ateshqa etwa drei Stunden entfernt gelesen, bedeutet Feuertempel. Oder im Klartext eine natuerliche Erdgasquelle. Fanden wir an diesem Tag natuerlich nicht, aber es war trotzdem ganz huebsch. Besonders als wir gegen sieben Uhr Abends einen LKW auf dem Weg zurueck ins Dorf fanden und wir die letzten vier Kilometer auf einer Ladeflaeche verbringen konnten. Natuerlich, es ist nass gewesen und durch den Fahrtwind auch kalt, soetwas wie Polster suchte man vergebens und dreckig war es erst recht, aber das ist immernoch besser als gehen. Manchmal. Sieht man mir irgendwie an.
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Chech und ich.
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and the girls. Links ist die Ehefrau von Cech, was ich aber erst am zweiten Tag merkte. Ist das ein gutes Zeichen?
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der Begriff „Strasse“ kann manchmal dehnbar sein..
Es gibt in Xinalig keine Hotels, man quartiert sich einfach bei normalen Familien ein, denen ein Zubrot nur zu willkommen ist.
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Der Mann des Hauses beim Schach, blieb mir zum Glueck erspart. Wir stellten uns einfach permanent die Frage, ob wir gewinnen sollten oder doch eher im Fall des Falles absichtlich verlieren. Uebereinkunft fanden wir dann auch nicht, aber betreffender Herr war zum Glueck recht gut.
Danach folgte dann das Abendessen. Kartoffeln, Schafskaese und Brot. Viel besser als es klingt, auch wenn es nicht viel Basis fuer die Flasche Wodka danach gab. Das Foto von mir habe ich leider nicht, aber ich wuerde wohl “ I guess,learning russian is not only about words..“ darunterschreiben.  Was man dafuer oben noch recht gut erkennen kann, ist die Kaelte die auf dieser Hoehe selbst im August herrscht. Draussen waere man in der Nacht wohl erfroren.
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Am naechsten Morgen um 13.00 versuchten wir es dann auf ein neues und folgten irgendeinem Weg ueber den Berg. Magda meinte irgendwann das wir umkehren sollten, wenn wir in den naechsten dreissig Minuten nicht etwas „charakteristisches“ finden, als ich mich ueber den Wegesrand beuge und Flammen sehe. Ganz klein. „Guess, we found something.“
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sieht extremst unspektakulaer aus..
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selbst in  der Nahaufnahme, aber kann man es in Worte fassen, sich auf 2600m Hoehe die klammen Haende am Feuer zu waermen? Dafuer brauechte es wohl einen Hesse – oder Coelho.
Wir kamen dann auf die Idee diesem Bach ins Tal zu folgen oder es zumindestens zu versuchen. Lange dauerte es nicht, bis wir an eine schwierige Stelle kamen, die zwar moeglich gewesen waere aber Wasser inkludiert hat. Und das war uns dann mit den Kameras zu heiss, woraufhin wir den Steilhang der Schlucht hinauf „geklettert“ sind.
Das mein Leben mal ein paar Grashalmen haengen wuerde, war mir bis dato auch unbekannt..
Dafuer kamen wir auf dem Weg hinunter noch einem Schaf vorbei oder das was davon uebrig gewesen ist.

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Natur.. Ganz allgemein war dieser Aufenthalt fuer ein Stadtkind wie mich doch eine gehoerige Umstellung. Dass mir naemlich mal eine dreihundertkilo schwere Kuh den Weg zum Plumpsklo versperrt, ist kein Traum von mir gewesen. Duschen gab es in Xinalig natuerlich auch nicht und der Drang in den naechsten Bach zu verschwinden, sinkt bei 15C Aussentemperatur.

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4 Kommentare
  1. Julie sagte:

    Wahnsinn…

  2. Julie sagte:

    Wahnsinn!

  3. Julie sagte:

    ich schreibe schon zum 3. mal „wahnsinn“, aber der will mich irgendwie nicht =(

  4. Julie sagte:

    Jetzt hat es geklappt! yuhu! weiterhin alles Gute und schau, dass du lebendig wieder zurückkommst…. die Geschichte mit dem Plumsklo und die fehlenden Duschen…. na ja…, dafür bin ich gerade hier: http://www.boatofgartenholidaypark.com/

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