Archiv

Archiv für den Monat August 2009

_8112141
Gibt es einen unwirklicheren Platz fuer einen Weihnachtsbaum als Aserbaidschan im August..? Natuerlich ist es mal wieder keine Absicht gewesen, aber ein wenig unglaeubig stand ich dann schon vor diesem Ungetuem in Zquatala.
Nach einer Nacht in einem Schlafsaal voll von Wanderarbeitern, nahm ich ein Taxi zum fuenf Kilometer entfernten Lagodheki-Grenzuebergang nach Georgien. Ich will Aserbaidschan nicht schlecht reden, aber ich bin trotzdem gluecklich gewesen, dieses Land in Richtung eines aufgeschlosseneren und weniger konservativen zu verlassen. Wenn auch nicht ohne die obligatorischen Abschiedtoasts und Wodkashots, auf die mich der Taxifahrer einlud und welche ihn nicht daran hinderten, danach den naechsten Fahrgast zu nehmen.

Der Uebergang selbst war dann voellig problemlos, und als einziger Auslaender genoss ich auf der georgischen Seite sogar bevorzugte Behandlung, „Awstria,Awstria“ hoerte ich in diesem aufgeschrecktem Wirrwarr von Uniformierten, waehrend ich mich noch ueber ein Schild wunderte, auf dem zu lesen war, dass dieser Gebaeudekomplex vom „U.S Army engineerscorpse“ errichtet wurde.
Ich habe viel Zeit um Geduld zu lernen. Mantra. Die Marshrutka faehrt erst in zwei Stunden nach Telavi? Grossartig, wenigstens sind es keine vier. Wenn mir diese Reise etwas gebracht hat, dann den Zwang alles positiv zu sehen, geruechteweise soll das fuer den Seelenfrieden ganz gut sein.
_8132280
Das huebsche an diesen Laendern ist der kostenlose Transport, natuerlich nicht gaenzlich, aber im Vergleich zu Europa doch beinahe. Was sind schon sieben Cent fuer eine Fahrt mit der Metro? Taxis auch. Nachdem ich mir in der Stadt ein paar Leute gefunden hatte, machten wir Tagesausfluege  zu interessanten Dingen im Umland, ein paar hundert Kilometer fuer umgerechnet 40 Euro, welche wir dann noch durch vier teilen konnten.
_8142312
David Garetja..
_8142464
..Felsenkloster..
_8142410
.. im  unbewohnten Grenzgebiet..
_8142441
..zu Aserbaidschan.
Man merkt Georgien an, dass es die zweite christliche Nation der Geschichte war, und auch wenn mich an Kloestern und Kathedralen weniger das spirituelle als die Architektur interessiert, ist es doch faszinierend mitanzusehen.
tel_8122151
Nach Tagen voll von Baumriesen..
_8132244
..Kirchen..
_8142474
..beinahe italienisch wirkenden Doerfern..
_8132246
und einer Schriftart die ich nach einer dieser laengeren Fahrten auch tatsaechlich lesen, wenn auch nicht verstehen konnte, schaffte ich es dann nach Tiflis – auf die George W. Bush-street.


Advertisements

resim_8072113
Ich kam etwas exotisch mit der Post an, aber es hat sich gelohnt, der Laenge nach auf einer Mischung aus Holzkisten und Zeitungstapeln zu liegen, haette ich in einer Mashrutka nicht haben koennen. Porto ist auch nicht so schlimm gewesen und ich kam relativ gut gelaunt an, auch wenn das bald getruebt wurde, als ich erstmal zwei Stunden damit verbrachte ein Hotel zu suchen. Angefangen bei den guenstigsten, aber sie waren alle komplett ausgebucht, warum auch immer. Gerade als ich mich abfinden wollte, die 16$ oder mehr fuer die Nacht ausgeben zu muessen, kam ein Mensch in meinem Alter auf mich zu und erkundigte sich in perfektem Englisch, ob ich denn Hilfe benoetigen wuerde. Nun gut, ein Internetcafe waere ganz huebsch gewesen und ich fragte ihn danach. War auch kein Problem, wirklich gefreut habe ich mich dann aber, als er mir einfach anbot,die Nacht im Haus seiner Familie zu verbringen. Klang mehr als gut und ich nahm dankend an.
_8112135
Vusal mit meinem geliebten Kopfmassageding, dass er auch ganz toll fand.
Er ist ein netter Kerl,vielleicht abgesehen davon, dass er seine Schwester enthaupten wuerde, wenn sie eine voreheliche Beziehung eingeht, weil das seine „tuerkischen Traditionen“ von ihm als Bruder und Waechter der Ehre verlangen. Und Juden natuerlich auch ein ganz grosses Uebel sind, passend dazu, dass Hitler ein „beautiful man“ war. Nun gut, ich fand es irgendwie interessant, da ich noch nie die Chance hatte, mit so einem Menschen zu reden, auch wenn es mich vor ein gewisses Dilemma stellte. Ich war der Kuehlschrankvertreter am Nordpol, oder wie verkauft man einem Antisemiten, dass der Holocaust vielleicht doch nicht ganz so leiwand gewesen ist und sexuelle Selbstbestimmung alles andere als ein Werk Satans darstellt.
Es war dann in dieser Hinsicht aber etwas enttaeuschend, da sein Englisch unverstaendlich wurde und er wild die Themen wechselte, wenn ich ihn aufregte und das gelang mir mit meinen humanistisch gepraegten Ansichten doch die meiste Zeit.
telavi1
Stoff den er mir zum lesen gab, oder zum anschauen. Wie auch immer. Es war naemlich mehr ein Bilderbuch, nur keines von denen die ich frueher so geliebt habe sondern eher voll von Leichen, Leid und Zerfall. Und Schuldzuweisungen an die armenischen Bestien. Was ich darin nicht fand, war die Erwaehnung des an eben jenen begangen Genozids oder dem Massaker von Sumquait, welches die Spirale der Gewalt massgeblich in Schwung brachte, die im Krieg ueber Bergkarabach ihr Ende fand. Propaganda also, nur wer hat Interesse derart einseitigen, unreflektierten Hass zu schueren? Die Antwort darauf fand ich im Vorwort, „published by the state department of Azerbaijan.“ Ein Nebensatz, ganz unscheinbar in tausenden Woertern verborgen und trotzdem alles in den Schatten stellend.

Aserbaidschan hat den Krieg gegen Armenien damals verloren und das ist bis heute nicht aufgearbeitet. Unter anderem weil die Regierung kein Interesse daran hat. Viel zu gut passt so ein Feindbild in die Agenda eines Staates und Praesidenten, den wahrscheinlich nicht einmal Gerhard S. als lupenrein bezeichnen koennte.  (vgl) Eben jener naemlich, welcher ein Gesetz verabschieden liess, dass Wahlen im Kriegszustand als unnoetig ansieht. (Waffenstillstand =! Friedensabkommen)
Laecheln als ich die Geschichte ueber den Eurovision Songcontest im Hinblick auf diesen Konflikt hoerte, beschreibt es das Verhaeltnis  mit Armenien doch mehr als gut. Letztere will dort naemlich einfach niemand sehen, also gab es in Aserbaidschan anstatt des Beitrages nur Werbung zu sehen und am Ende als eine Tafel alle Laender mit den jeweiligen Nummern anzeigte, um die Menschen zum anrufen zu bewegen, ist ein gewisser Teil des Bildschirms merkwuerdig schwarz gewesen. Man darf sich vorstellen was dort eigentlich zu sehen gewesen waere und das es in Armenien unzensiert lief auch.
Was Vusal mir in Buchform ueber das eine Feindbild gab, brachte das Fruehstuecksfernsehen dann ueber ein anderes, Kurden. Ewiger Nemesis der Turkvoelker. Als ich bei eben jenem naemlich vom Teller aufblickte, sah ich das  Gesicht des Vaters merkwuerdig verfinstert. Wut und Trauer wechselten sich im Sekundentakt ab und ich brauchte erst einen Augenblick um den Schuldigen im Bildschirm zu finden. Ein wortloser Beitrag, nur Musik und der Anblick auf nach einem Anschlag verstuemmelte Menschen deren Namen eingeblendet wurden, nur unterbrochen von „neden“, dem tuerkischen Wort fuer „warum?“. Es war zugegeben faszinierend mitanzusehen welche Wirkung es auf diese Menschen hatte, nur ist die Aehnlichkeit mit den Hassminuten in George Orwells Dystropie „1984“  doch furchteinfloesend groß gewesen.

_7311735
Brot, und es ist kein Zufall dass es dort haengt. Brot ist in Aserbaidschan heilig und darf als Werk Gottes nicht auf den Boden gelegt oder gar mit normalen Abfall entsorgt werden, was die Muellabfuhr doch in ein gewisses Dilemma stürzt.
Nach der doch etwas laengeren Fahrt zurück nach Baku musste ich erstmal meinen Durst loeschen und natürlich nicht irgendwo..
resim_7311778.. sondern im Cafe Mozart. Man darf sich mein Gesicht als sehr überrascht vorstellen, als ich  davorstand und den Namen auf der Markise las.
Baku ist aber nur Zwischenstation fuer eine Nacht in einem Internetcafe gewesen, das eigentliche Ziel hiess Lahic. Ein Dorf in den Bergen das sich vor etlichen hundert Jahren mangels geeigneter Weideflaechen auf Schmiedekunst spezialisiert hat und einer der wenigen Orten ist, wo man noch einen dem Farsi nahestehenden Dialekt spricht. Sollte dort angeblich ganz toll sein und es ist ohnehin auf meinem Weg nach Georgien gewesen.
resi_8062079
Die Zufahrt, mit den ersten der typischen alten Steinhaeuser und einer Bruecke die keine Zweifel daran laesst, dass sie nicht fuer Fussgaenger gemacht wurde. Die Stangen,die mich vor dem Sturz in die Tiefe bewahren haetten sollen, gingen selten hoeher,als zum Schienbein.
_8062090
Traue keinem Friseur,der mehr Haare auf der Brust als am Kopf hat. Nur spontan wie ich in dem Moment war, liess ich mich darauf ein und es war eigentlich ganz nett. Davon abgesehen, dass ich danach entfernt einem Hirtenjungen aehnelte..
_8062060
Eines der Siegerdenkmäler der roten Armee, mal abgesehen davon das ich etwas ueberrascht gewesen bin, soetwas in einem abgelegenen Dorf zu finden, dass nichteinmal zweitausend Seelen zaehlt, ist etwas daran recht seltsam. Man sieht es auch auf dem Foto.

Es ist der Matrose oder eher seine ueberdimensionalen Schleifen, die doch ziemlich an Othala erinnern. Es duerfte nur Zufall sein, aber es ist trotzdem merkwuerdig, ein Symbol der Waffen SS und der Hitlerjugend so prominent platziert auf einem Denkmal der roten Armee zu sehen.
_8062075
Das Dorf war ganz huebsch, aber ein Tag war mehr als genug und ich nahm den Bus, der wohl aus der Sowjetunion stammte, zurueck in den naechsten groesseren Ort,Ismayilli um von dort nach Sheki zu gelangen.

status: Bin gerade in Tiflis und davon abgesehen, dass mein Stadtteil jeden Tag etliche Stunden einfach ohne Strom ist, laeuft alles soweit ganz gut.

Ich bin in Tiflis angelangt und ein neuer Blog waere  schon toll, nur habe ich momentan Probleme mit der Software und weiss nicht, wann ich sie in den Griff bekomme.

Xinalig Pt.2
Nach zwei Tagen nahmen wir dann Abschied. Es war huebsch aber die Zivilisation lockte dann doch.
Davor gab es aber ein grosses Fotoshooting, Erinnerungen zum Anfassen.
resi_8051998
Fotos mit Zeitausloeser sind so eine Sache, Blicke halten selten zwoelf Sekunden, noch weniger wenn direkt nebenan noch eine zweite Kamera mit Verzoegerung wartet.
resi_8052007

.. und die Toechter des Hauses. Lleider sind die Goldzaehne nicht sichtbar, die schuld daran waren, dass ich permanent Austin Powers im Kopf hatte.
Jedenfalls gab es natuerlich keinen Bus zurueck nach Quba und weil wir ja jung und sportlich sind, gingen wir trotzdem los, wenn auch mit dem Gedanken, die erstbeste Gelegenheit zu nuetzen um doch ein Auto zu erwischen.
resi_8052009
Long way down.
Die Landschaft ist huebsch wie immer gewesen, auch wenn ich nur allzu sehr an das Bundesheer erinnert war. Meine zwei Rucksaecke waren zusammen naemlich  sechzehn Kilo schwer, das entspricht so ziemlich genau dem KAZ 2 und dem Stg 77.
resim_8052015

Nach der  scharfen Kurve am Ende blickte ich dann auf einen Alptraum. Es ging steil bergauf, so lange und weit,das ich das Ende gar nicht mehr  sehen konnte. Pause. Klingt gut. Ein bisschen Brot und „internal desinfection“ spaeter wollten wir den Berg in Angriff nehmen, als  das droehnen eines UAZ hoerbar wurde. Verflucht huebscher Ton.
resim_8052041
Lovely UAZ..
resi_8052037
..gets you anywhere.
resi_8052042
Ein gewisses Maß an Vertrauen vorausgesetzt.
In Quba trennten wir uns dann, (-> hope to meet you again,when i visit poland) Sie an die Kueste und ich zurueck nach Baku um die Mashrutka nach Ismailly zu erwischen.

Gegenwart: Ich bin mit meinem Blog mehrere Tage hinterher. Ist chronisch und ich bin gerade in Telavi, Georgien.


resim_8031791

Das ist Talyr. Er hat mich freundlicherweise auf der Strasse gefragt, ob ich mit ihm und seinen Bruder Tee trinken will. Auf Deutsch wohlgemerkt. Man merkt ihm an, dass er zwoelf Jahre in Europa verbracht hat und davon einen Grossteil in Deutschland. „guck mal“ und er ist nicht der einzige in seiner Familie gewesen. Wie hoch ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, dass ich von einer Familie in Aserbaidschan eingeladen werde, in der fast alle maennlichen Mitglieder fliessend in „nemetzki“ sind? Wohl eher klein, aber ich habs geschafft. Auch wenn es eine etwas traurige Angelegenheit gewesen ist, da irgendwann von jedem die Bitte gekommen ist, ihm bei Visaangelegenkeiten behilflich zu sein. Es ist kein schoenes Gefuehl jemanden sagen zu muessen,dass man nichts tun kann und es aufgrund diverser politischer Kraefte und der Finanzkrise in Zukunft eher noch schwieriger als leichter werden wird.
Am naechsten Tag wurde ich dann von ihm zur Bushaltestelle gebracht, auch wenn das vielleicht nicht das richtige Wort ist. Kann man sich nicht so vorstellen wie ein 10A  STop in Wien, sondern eher wie ein riesiges Areal in der Jeeps und sogenannte Marshrutkas (Minibusse) etwas chaotisch ihren Anfang nehmen und als nicht azeri sprechender Tourist waere ich verloren gewesen, weswegen er meinen Dank hat. Abgesehen von der Unterkunft und den Massen an Tee und tuerkischem Essen.
Nachdem ich den Jeepfahrer dann noch von 50 Manat auf 20 runtergehandelt hatte, nahm die zweistuendige Fahrt rauf in die Berge ihren Anfang.
resim_8031832

Kaukasus. Das Ziel hiess Xinalig, ein auf 2200m Hoehe gelegenes Dorf und angeblich einer der huebschsten Orte in Aserbaidschan. Stimmt wahrscheinlich, von der Landschaft zumindestens. Als ich dort ankam, hatte ich dafuer dann erstmal mit ganz anderen Problemen zu kaempfen, sie hatten die Gestalt des Fahrers. Obwohl Talyr meinte, dass es kein Problem ist,wenn ich einen Tag spaeter wieder fahre, wollte mir dieser Mann ploetzlich klarmachen, dass wir in einer Stunde wieder zurück müssen. „Njet“. Aber ganz gewiss nicht.. Mit meinem bescheidenen Russisch versuchte ich ihm dann klar zu machen, dass das urspruenglich anders gelautet hat, waehrend er darauf beharrte. „njet“,“njet“ und dieser gierige Mensch fing beinahe zu weinen an. Zum Glueck traf ich dann aber auf drei Polen, die besser Russisch und auch sehr gut Englisch sprachen. Nun gut, auch davon liess er sich nicht beirren und irgendwann gab ich es dann auf, nachdem er schon beinahe damit drohte mich umzubringen (wtf?). Ich hab ihm dann zehn Manat vor die Fuesse geworfen, auch auf Rat dieser Polen und hatte meine erste schlechte Erfahrung gemacht. Positiv gesehen, lernte ich dadurch aber eben jene Krakauer kennen und wir waren fuer die naechsten zwei Tage eine Gruppe. Allein trekken waere nicht schoen gewesen, weswegen das doch recht gut war.
resim_8031863
Friedhof Etwas exotischere Kuhweide mit Blick auf die Landschaft.
Sie hatten etwas ueber eine Ateshqa etwa drei Stunden entfernt gelesen, bedeutet Feuertempel. Oder im Klartext eine natuerliche Erdgasquelle. Fanden wir an diesem Tag natuerlich nicht, aber es war trotzdem ganz huebsch. Besonders als wir gegen sieben Uhr Abends einen LKW auf dem Weg zurueck ins Dorf fanden und wir die letzten vier Kilometer auf einer Ladeflaeche verbringen konnten. Natuerlich, es ist nass gewesen und durch den Fahrtwind auch kalt, soetwas wie Polster suchte man vergebens und dreckig war es erst recht, aber das ist immernoch besser als gehen. Manchmal. Sieht man mir irgendwie an.
resim_8031932
Chech und ich.
resim_8031934
and the girls. Links ist die Ehefrau von Cech, was ich aber erst am zweiten Tag merkte. Ist das ein gutes Zeichen?
resim_8031938

der Begriff „Strasse“ kann manchmal dehnbar sein..
Es gibt in Xinalig keine Hotels, man quartiert sich einfach bei normalen Familien ein, denen ein Zubrot nur zu willkommen ist.
resim_8031945
Der Mann des Hauses beim Schach, blieb mir zum Glueck erspart. Wir stellten uns einfach permanent die Frage, ob wir gewinnen sollten oder doch eher im Fall des Falles absichtlich verlieren. Uebereinkunft fanden wir dann auch nicht, aber betreffender Herr war zum Glueck recht gut.
Danach folgte dann das Abendessen. Kartoffeln, Schafskaese und Brot. Viel besser als es klingt, auch wenn es nicht viel Basis fuer die Flasche Wodka danach gab. Das Foto von mir habe ich leider nicht, aber ich wuerde wohl “ I guess,learning russian is not only about words..“ darunterschreiben.  Was man dafuer oben noch recht gut erkennen kann, ist die Kaelte die auf dieser Hoehe selbst im August herrscht. Draussen waere man in der Nacht wohl erfroren.
resim_8041955
Am naechsten Morgen um 13.00 versuchten wir es dann auf ein neues und folgten irgendeinem Weg ueber den Berg. Magda meinte irgendwann das wir umkehren sollten, wenn wir in den naechsten dreissig Minuten nicht etwas „charakteristisches“ finden, als ich mich ueber den Wegesrand beuge und Flammen sehe. Ganz klein. „Guess, we found something.“
resim_8041971
sieht extremst unspektakulaer aus..
asd_8041982
selbst in  der Nahaufnahme, aber kann man es in Worte fassen, sich auf 2600m Hoehe die klammen Haende am Feuer zu waermen? Dafuer brauechte es wohl einen Hesse – oder Coelho.
Wir kamen dann auf die Idee diesem Bach ins Tal zu folgen oder es zumindestens zu versuchen. Lange dauerte es nicht, bis wir an eine schwierige Stelle kamen, die zwar moeglich gewesen waere aber Wasser inkludiert hat. Und das war uns dann mit den Kameras zu heiss, woraufhin wir den Steilhang der Schlucht hinauf „geklettert“ sind.
Das mein Leben mal ein paar Grashalmen haengen wuerde, war mir bis dato auch unbekannt..
Dafuer kamen wir auf dem Weg hinunter noch einem Schaf vorbei oder das was davon uebrig gewesen ist.

resim_8041987

Natur.. Ganz allgemein war dieser Aufenthalt fuer ein Stadtkind wie mich doch eine gehoerige Umstellung. Dass mir naemlich mal eine dreihundertkilo schwere Kuh den Weg zum Plumpsklo versperrt, ist kein Traum von mir gewesen. Duschen gab es in Xinalig natuerlich auch nicht und der Drang in den naechsten Bach zu verschwinden, sinkt bei 15C Aussentemperatur.

Ich bin gegen Mitternacht in Baku angekommen, Immigration  und Gepaeck dauerten dann etwas mehr als eine Stunde, aber ich hatte Zeit. Es war naemlich von vornherein geplant, dass ich die Nacht am Flughafen verbringen wuerde, nachdem mein  Couchsurfinghost erst in der Frueh Zeit hatte und es sich fuer fuenf Stunden nicht gelohnt haette  in ein 20$ teures Hostel zu gehen.  Ist aber in Ordnung gewesen, ich schlief gut.
Im Taxi in die Stadt traute ich dann aber  meinen Ohren kaum, „sang“ doch tatsaechlich jemand im Radio mit spuerbaren russischen Akzent  „eins,zwei,drei Schiki,schiki Schweine“   ….wtf?
Ohrwurm, nonetheless. Das beste ist ja, dass ich es tatsaechlich auf Youtube fand und es jetzt mit allen teilen kann.

Der Hafen kurz nach 6.30 in der Frueh
_7301627

Das Erste was an Baku auffaellt, ist die Januskoepfigkeit. Aeusserlichkeiten ueber alles, was recht gut an dem Haus zu erkennen war, in dem ich Quartier fand.
_7311783
Eigentlich ganz huebsch, vom Innenhof betrachtet sieht es dann..
_7311782
..so aus. Nicht, dass es mich jetzt stoeren wuerde, aber der Kontrast ist schon beachtlich.
Ansonsten ist es aber eine wirklich huebsche Stadt und aehnlich wie in Istabul vergisst man hier schnell, dass man sich eigentlich in einem muslimischen Land befindet. Natuerlich gibt es auch hier Wahabiten und ähnliche Gestalten , sie sind aber  klar in der  Minderheit und Kopftuecher sieht man in Wien mehr als hier.  Was man dafuer sieht, sind Menschen die ihre Liebe auch in der Oeffentlichkeit zeigen, auch wenn alles was ueber das obligatorische „haendchenhalten“ hinausgeht, wahrscheinlich doch Empoerung hervorrufen wuerde.
Trotzdem ist im Vergleich zum Westen  nicht alles Wonne und Sonnenschein, dafuer ist das Mass an  Fuehrerkult und Autokratie einfach  zu gross.  Das Uebel ist die Dynastie der Alievs, (wieder) herrschend seit 1994 und seitdem von jeder Strasse in ueberdimensionalen Postern herabblickend, wenn die Strasse nicht sogar nach heydar aliev benannt ist, dem Vater des jetztigen „Azeribashis“ aufs Lebenszeit. (Vgl Turkmenbashi auf wiki)
_7301652

Ist der Jungfrauenturm von Baku, gibt verschiedene Versionen zur Entstehungsgeschichte des Namens. Die populaere aber unwahrscheinliche Geschichte ist, dass ein Herrscher seine eigene Tocher heiraten wollte. Abgestossen von diesem Gedanken, aber unfaehig ihrem Vater zu widersprechen, verlangte sie von ihm, dass er einen Turm baut, hoch genug um sein ganzes Anwesen zu überblicken. Er tat es, nur damit sie sich dann von eben jenen Bauwerk in den Tod stuerzen konnte. Die unpopulaere aber wahrscheinlichere Version der Dinge ist, dass die Jungfraeulichkeit eine Anspielung auf die militaerische Unpenetrierbarkeit ist. Baku wurde naemlich nie eingenommen.

_7301667
Blick von oben ueber die Altstadt.
Wtf? Zum wiederholten Mal. Hier? Nun gut, der Zweck heiligt ja bekanntlich die Mittel und wenn es Krebs in Tonspuren bedarf, um den Dialog der Kulturen zu ermoeglichen,  ist das so in Ordnung.
_7311776
Bevor ich noch sagen konnte, dass ich nicht aus Deutschland sondern „nur“ aus Oesterreich bin, wurde ich schon mit allerlei Fragen bombardiert.