Year Zero


Von Siam Reap bin ich nach Battambang,wo ich zwei entspannte Tage verbrachte,um dann im Backpackerghetto der Hauptstadt zu landen. Geplant war das allerdings nicht,zumindestens nicht so bald,nur koennen Sprachbarrieren manchmal halt doch etwas groesser sein,oder Gedaechtnisse schlechter,nachdem ich dem Fahrer des Busses eigentlich gesagt habe,wo ich hin will. Pursat,ich zeigte es ihm auf der Karte,er nickte,es schien gut. Als ich dann irgendwann auf mein GPS sah,waren wir bereits 50Km weiter,wenigstens diesmal kein Venedig Asiens fuer mich. Phnom Penh hat aber immerhin auch recht viel Wasser und ich fand ein Guesthouse direkt am Ufer,mit einem Boot das als Terrasse dient. Nachdem ich von Anfang wusste,das ich hier nur einen Tag bleiben werde,war das Programm dicht gesteckt,und der koenigliche Palast machte den Anfang. Dort wurde mir schnell klar,dass Kambodscha ein Land der Gegensaetze ist und das hier das koeniglich-dekadent-luxurioese Ende.
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Nein,es sind nicht nur diese zwei Gebaeude,es ist ein riesiges Areal gefuellt mit Kostbarkeiten wie der Silberpagode mit fuenftausend Fliesen zu je einem Kilogramm aus dem namensgebenden Material und einer heiligen Statue,geformt aus gruenem Smaragd.
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wenige Strassen entfernt ist die Welt dann wieder eine andere,wobei man der Fairheit willens sagen muss,das nur dieser Block derart abgefuckt aussah. Nach einem kurzem Aufenthalt im Nationalmuseum,naeherte ich mich recht schnell dem Abgrund. S-21,mittlerweile auch Tuol sleng genannt,nach der Schule,welche diese Gebaeude davor beheimate. Beide Bezeichnungen werden dem Ort allerdings nicht wirklich gerecht,wenn man weiss,was nach Year Zero,dem Ende des Buergerkriegs und der Machtuebernahme durch die Khmer Rouge,dort stattfand. Aus dem Gelaende dieser Schule wurde naemlich die zentrale Verhoer und Gefangenenstelle des „demokratischen Kambodschas“,wie man sich zu dieser Zeit nannte.Folter war taeglich Brot,aber wer dort hingelangte,war ohnehin schon im Begriff in eines der Massengraeber ausserhalb der Stadt geworfen zu werden.

Wer waren diese Khmer Rouge?
Urspruenglich eine maoistische Rebellengruppe,starteten sie nach dem erfolgreichen Ende des Buergerkriegs,die wohl radikalste Revolution seit Menschengedenken. Bereits einen Tag nach der Eroberung Phnom Penhs wurde damit angefangen,die Bewohner in laendliche Gebiete zu deportieren. Das Ziel war einen kommunistischen Bauernstaat zu errichten und wie fuer jede andere Diktatur auch,war Bildung gefaehrlich. Fuehrt naemlich fuer gewoehnlich zu Reflektion,Widerstand,Freiheit und anderen Unannehmlichkeiten. So geschah es dann das der Arzt und der Dichter ploetzlich irgendwo hunderte Km entfernt Reis anbauen mussten. Wenn sie Glueck hatten,manche wurden auch einfach exekutiert,vorallem wenn sie frueher in der Politik taetig waren. Doch die Evakuierung aller grossen Staedte war erst der Anfang in der erdachten Rettung vor den Klauen des Kapitalismus. Jetzt wurde damit begonnen,die traditionellen Strukturen aufzuloesen,Kinder wurden von ihren Eltern getrennt,und Familien auseinandergerissen,Religion verboten und Moenche hingerichtet. Nachdem man damit  diese zwei Fundamente der Gesellschaft zerstoert hatte,war es einfach,die Menschen durch ein System der Furcht zu kontrollieren.Nach diesem Grundsatz wurd wegen Nichtigkeiten bestraft,oft mit dem Tod und es funktionierte. Nennenswerten Widerstand gab es nicht,nachdem beim kleinsten Verdacht,sei es nur eine Brille als Symbol fuer Bildung, nach S-21 deportiert wurde,um auf diesen Ort zurueckzukommen.
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Eine Feindin der Revolution an ihrem letzten Lebenstag.
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Es ist auch jedesmal das selbe,spaetestens nach einem Jahr frisst die Revolution ihre eigenen Kinder. Diese Frau war mit einem hochrangigen Minister verheiratet,bis er schliesslich in Ungnade fiel. Ueberlebt hat dann weder sie,noch ihr Mann,noch der gemeinsame Sohn.
Das Ende brachte dann ein fataler Fehler,die Khmer Rouge forderten die ehemals verbuendeten Vietnamesen heraus und diese brachten das Regime im Jahr 1979  mit einer gross angelegten Invasion zu Fall.
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Eine Zelle mit dem Foto ihres letzten Bewohners der vor der Flucht seiner Bewacher noch an einer Zeugenaussage gehindert wurde.

Nach dieser Staette ging es dann stilgerecht auf die Killingsfields selbst,wo heute eine grosse Stupa der Graeuel gedenkt.
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geordnet nach Alter und Geschlecht ist sie bis zur Decke gefuellt und trotzdem bleibt es nur ein sehr kleiner Bruchteil der gefundenen Ueberreste.
Ich ging hinein und wurde von einer ruhigen stimmungsvollen Musik empfangen,als ich  einen gelben Schmetterling sah,der voellig unbekuemmert mehrere Meter ueber mir schwebte.Nun gut,das war wohl der spirituellste Moment,den ein Atheist erleben kann.

Bild zum Schluss:
ein niedlicher Kater vor dem koeniglichen Palast.
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Die Asche ueber mein Haupt fuer diesen flachen Humor..

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1 Kommentar
  1. Sebastian sagte:

    Das Katerchen ist einfach supercool! Ziert seit erhalt der Bilder meinen Hintergrund 🙂
    Und Du lass es dir weiterhin gut gehen! Und nicht irgendwo hin verschleppen, wo du doch ganz wo anderster sein möchtest 😉

    LG!

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